Ein Gähnen passiert oft ganz nebenbei – und wird schnell übergangen. Dabei ist es eine der einfachsten Möglichkeiten, wie der Körper beginnt, sich selbst zu regulieren.
Gähnen – Ein ganz natürlicher Impuls
Das Gähnen ist ein ganz natürlicher Impuls, Gähnen passiert einfach.
Oft dann, wenn wir müde sind, oder wenn wir entspannen. Manchmal zeigt es sich ganz ohne ersichtlichen Grund.
Viele versuchen, es zu unterdrücken.
Doch eigentlich ist Gähnen eine sehr sinnvolle Reaktion des Körpers.
Gähnen bringt Bewegung
Beim Gähnen passiert im Körper sehr viel:
– der Mund öffnet sich weit und der Rachen weitet sich
– der Brustraum dehnt sich
– das Zwerchfell bewegt sich intensiv
– der Atem wird tief
– Tränenflüssigkeit und Nasensekret werden vermehrt gebildet
Dadurch entsteht eine umfassende Bewegung im ganzen Atemraum.
Der Körper nimmt sich Weite. Das wirkt wie ein Reset für den Atem.
Ein Reset für den Atem
Der Atem wird: tiefer – freier – weiter
Nun kann sich Spannung lösen – besonders im Kiefer, Nacken und Brustraum.
Warum wir das Gähnen oft zurückhalten
Viele Menschen haben sich aus Höflilchkeit angewöhnt, das Gähnen zu unterdrücken, oder weil es „nicht passt“.
Doch damit wird auch eine natürliche Regulationsbewegung zurückgehalten.
Gähnen und Nervensystem
Gähnen tritt häufig in Übergängen auf – von Anspannung zu Entspannung.
Es kann das Nervensystem unterstützen, sich neu zu regulieren.
Ein tiefes Gähnen kann manchmal mehr verändern als viele bewusste Atemübungen.
Gähnen bewusst zulassen
Das Gähnen lässt sich nicht erzwingen, aber es lässt sich einladen:
Man kann sich vorstellen, man hätte eine sehr heisse Kartoffel im Mund. Die Lippen sind dabei geschlossen und der Atem fliesst sanft durch die Nase ein.
Dabei blähen sich die Nasenflügel leicht, ein leichtes Dehnen im Oberkörper und Rückenbereich zulassen …. und offen sein, für das, was sich zeigen möchte.
Es könnte eine neue Qualität im Atem sein.
Atemtherapie und Gähnen
Im Rahmen der Atemtherapie entsteht oft Raum, in dem Gähnen wieder auftaucht – ganz von selbst und vollkommen natürlich.
In meiner Arbeit erlebe ich häufig, dass Menschen während der Behandlung auf der Liege oder bei einer Übung herzhaft gähnen, sobald sich Spannung löst.
Wenn solche Prozesse entstehen, sind Klientinnen und Klienten oft selbst überrascht.
Ein kleines Zeichen mit großer Wirkung
Gähnen wirkt unscheinbar – und ist doch kraftvoll.
Es kann ein Zeichen dafür sein, dass sich etwas löst, dass Raum entsteht und dass der Körper beginnt, sich neu zu organisieren.
Obwohl Gähnen etwas sehr natürliches und wünschenswertes ist, sollte man es in Gesellschaft hinter vorgehaltener Hand tun.
Ein bisschen Respekt ist doch immer schön!
In meiner Praxis darf übrigens auch gegähnt werden – und oft ist genau das der Moment, in dem der Körper beginnt loszulassen.


